Wie verändern generationenunterschiede den eCommerce?

Was die Generation Z bewegt, ist etwas anderes als das, was für die Babyboomer wichtig ist. Und dieser Unterschied scheint sich zunehmend zu verstärken. Von der Produktsuche und Informationsbeschaffung über das Auspackerlebnis bis hin zur Entsorgung der Verpackung prägen Generationenunterschiede heute jede Phase der Online Customer Journey. Für Händler kann das Verständnis dieser Unterschiede entscheidend sein, um sich in einem sich rasch wandelnden Marktumfeld erfolgreich zu behaupten.
Die Erkenntnisse aus dem Mondi Group eCommerce Trend Report 2026, basierend auf einer Befragung von 6.000 Verbraucher:innen in Frankreich, Deutschland, Polen, Schweden, der Türkei und dem Vereinigten Königreich, zeigen, wie sich die Erwartungen der Konsument:innen verändern und warum ein einheitlicher Ansatz für alle Zielgruppen zunehmend an seine Grenzen stößt.
Wie recherchieren unterschiedliche generationen online?
Die Unterschiede zwischen den Generationen werden bereits sichtbar, bevor ein Produkt im Warenkorb landet. In drei zentralen Phasen der Recherche – bei der Identifikation geeigneter Produkte und Marken, beim Vergleich von Eigenschaften und Preisen sowie bei der Auswertung von Kundenbewertungen – zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen der Generation Z (14 bis 29 Jahre) und den Babyboomern (62 bis 80 Jahre).1
Der Mondi Group eCommerce Trend Report 2026 zeigt:
- dass drei Viertel (75 %) der Gen Z KI-gestützte Tools nutzen, um passende Produkte und Marken zu finden, wenn sie noch keine konkrete Kaufidee haben. Bei den Babyboomern sind es lediglich 39 %.
- Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Preisvergleich zwischen verschiedenen Anbietern: 75 % der Gen Z setzen hierfür KI ein, gegenüber 47 % der Boomer
- Auch bei der Zusammenfassung von Kundenbewertungen, um nicht zahlreiche einzelne Rezensionen lesen zu müssen, greifen 71 % der Gen Z auf KI-Tools zurück, während dies nur 40 % der Boomer tun.
Gerade in dieser Recherchephase zeigt sich besonders deutlich, dass ein „One-size-fits-all“-Ansatz nicht mehr ausreicht. Händler sollten daher sicherstellen:
- dass ihre Produkte und Markeninformationen nicht nur über klassische Suchmaschinen, sondern auch über KI-basierte Such- und Assistenzsysteme gut auffindbar sind.
- Gleichzeitig bleibt es wichtig, transparente und detaillierte Produktinformationen bereitzustellen. Besonders ältere Konsument:innen recherchieren gerne eigenständig und überprüfen Informationen direkt auf Unternehmenswebsites oder anderen vertrauenswürdigen Quellen.

Wie offen sind verbraucher:innen für KI-gestütztes einkaufen?
Der Generationenunterschied wird noch deutlicher, wenn es darum geht, Kaufentscheidungen teilweise an KI zu delegieren.
- Mehr als die Hälfte der Gen Z (53 %) wäre bereit, einer KI zu erlauben, einen Kauf in ihrem Namen abzuschließen, ohne alle Details selbst zu prüfen. Bei den Babyboomern liegt dieser Anteil lediglich bei 24 %.
- Ähnlich verhält es sich bei Produktempfehlungen: 68 % der Gen Z hätten kein Problem damit, wenn eine AI-Produkte in den Warenkorb legt, die sie anschließend nur noch freigeben müssen. Unter den Boomern würden dem nur 35 % zustimmen.
Vertrauen bleibt jedoch generationenübergreifend ein entscheidender Faktor. Die Mehrheit überprüft KI-Empfehlungen vor dem Kauf weiterhin selbst, darunter 79 % der Gen Z und 72 % der Babyboomer.
- Zudem geben sechs von zehn Befragten an, einer KI nur dann Handlungsspielraum einzuräumen, wenn diese von einer Marke betrieben wird, der sie bereits vertrauen.
Für Händler bedeutet das: KI-basierte Einkaufserlebnisse müssen mit Transparenz, Glaubwürdigkeit und ausreichender Kontrolle für die Verbraucher:innen einhergehen.
Wie unterscheiden sich die erwartungen an eCommerce-verpackungen?
Bei Verpackungen werden die Unterschiede zwischen den Generationen besonders deutlich – und wirtschaftlich relevant.
Für die Gen Z spielt das emotionale Erlebnis beim Auspacken eine deutlich größere Rolle.
- Fast acht von zehn Befragten (79 %) geben an, dass Faktoren wie Verpackungsform, Material, Design oder Personalisierung zu einem positiven Unboxing-Erlebnis beitragen und ihre Bereitschaft erhöhen, erneut bei einer Marke einzukaufen. 27 % bewerten diesen Aspekt sogar als sehr wichtig – ein deutlicher Anstieg gegenüber 17 % im Jahr 2025.
- Außerdem lassen sich Angehörige der Gen Z mehr als dreimal so häufig von personalisierten Botschaften auf Verpackungen beeinflussen wie Babyboomer (23 % gegenüber 7 %).
Die Babyboomer hingegen legen den Schwerpunkt klar auf Funktionalität. Für sie sind vor allem drei praktische Faktoren entscheidend:
- Passende Verpackungsgröße (70 %)
- Einfaches Öffnen der Verpackung (61 %)
- Nachhaltige Außenverpackungen aus Papier oder Karton (50 %)
Die Ergebnisse zeigen, dass Händler eine Balance zwischen Funktionalität und Erlebnis schaffen müssen.
-
Während personalisierte Verpackungen und ein hochwertiges Unboxing-Erlebnis die Kundenbindung bei jüngeren Zielgruppen stärken können
-
stehen bei älteren Verbraucher:innen Zweckmäßigkeit und Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund.
Gehen unterschiedliche generationen unterschiedlich mit nachhaltigkeit um?
Nachhaltigkeit ist generationenübergreifend ein wichtiges Thema. Rund 86 % der Befragten halten nachhaltige Verpackungen für wichtig. Beim tatsächlichen Verhalten zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.
- Fast sechs von zehn Babyboomern (59 %) entsorgen ihre eCommerce-Verpackungen direkt im Recyclingbehälter. Bei der Gen Z liegt dieser Anteil lediglich bei 42 %.
- Gleichzeitig gibt fast jede:r fünfte Befragte der Gen Z (19 %) an, recycelbare Verpackungen gelegentlich über den Restmüll zu entsorgen – fast viermal so häufig wie Babyboomer (5 %).
- Als einen der Hauptgründe nennen junge Verbraucher:innen Zeitmangel. 21 % der Gen Z betrachten dies als Hindernis für korrektes Recycling, gegenüber nur 3 % der Babyboomer.
Hier zeigt sich ein bemerkenswerter Widerspruch: Jüngere Generationen setzen sich häufig für Nachhaltigkeit ein, stoßen jedoch im Alltag auf praktische Hürden. Komplexe Entsorgungsregeln, Zeitdruck oder unklare Kennzeichnungen verhindern oft, dass nachhaltige Einstellungen in nachhaltiges Handeln umgesetzt werden.
Für Händler und Verpackungshersteller ergibt sich daraus eine wichtige Chance. Verpackungen mit klaren Entsorgungshinweisen, verständlicher Kennzeichnung und leicht nachvollziehbaren Recyclinginformationen können dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.
Was bedeuten diese erkenntnisse für händler?
Unternehmen, die generationenübergreifend wettbewerbsfähig bleiben möchten, sollten insbesondere drei Handlungsfelder berücksichtigen:
- Die KI-gestützte Customer Journey mitdenken: Da vor allem jüngere Verbraucher:innen ihre Produktsuche zunehmend über KI-Tools beginnen, müssen Händler sicherstellen, dass Produkt- und Markeninformationen von diesen Systemen korrekt erfasst und dargestellt werden.
- Funktionale und emotionale Verpackungsanforderungen in Einklang bringen: eCommerce
-Verpackungen müssen sowohl praktische Anforderungen erfüllen – Schutz, passende Größe, einfache Handhabung und unkomplizierte Rücksendung – als auch einen emotionalen Mehrwert bieten, etwa durch Personalisierung, ansprechendes Design oder Nachhaltigkeitskommunikation.
Welche Aspekte im Vordergrund stehen sollten, hängt von der jeweiligen Zielgruppe ab.
- Nachhaltiges Verhalten erleichtern: Recycelbare Materialien allein reichen nicht aus. Klare und intuitive Entsorgungshinweise, idealerweise direkt auf der Verpackung, können Verbraucher:innen dabei unterstützen, nachhaltige Absichten auch tatsächlich umzusetzen.
Letztlich werden jene Händler langfristig erfolgreich sein, die Generationenunterschiede nicht nur als Mittel zur Zielgruppensegmentierung betrachten, sondern als Leitprinzip für die Gestaltung von Kundenerlebnissen, Produkten und Verpackungsstrategien nutzen.
Welche Inhalte bietet der Mondi Group eCommerce Trend Report 2026?
Das Verhalten verschiedener Generationen ist nur einer von mehreren Trends, die die Zukunft des eCommerce prägen.
Der Mondi Group eCommerce Trend Report 2026 untersucht, wie KI-gestütztes Einkaufen, Nachhaltigkeitsanforderungen, Kundenerlebnis und Innovationen zusammenwirken und die Branche verändern.
Die Studie basiert auf den Einschätzungen von 6.000 Verbraucher:innen aus sechs europäischen Märkten und liefert praxisnahe Erkenntnisse für Händler, die verändertes Kaufverhalten besser verstehen und sich frühzeitig auf zukünftige Entwicklungen vorbereiten möchten.
- RetailX 2026, Mondi Group eCommerce Trend Report 2026, "AI's role in product research decisions," pp. 6–8

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